Schlagwort: Steampunk

„Die verlorene Puppe“ ist erschienen!

Gestern war es endlich so weit: Auf der Dreieich-Con konnten wir den zweiten Roman aus der Welt von Eis&Dampf, „Die verlorene Puppe“, mit unseren gierigen Griffeln an uns reißen! 

wp_20161119_13_02_30_proDie Premierenlesung war schön – danke an Henning Mützlitz und Christian Kopp für Fotos und an alle Zuhörer fürs Interesse! Auch am Uhrwerk / Feder&Schwert-Stand haben wir noch interessante Gespräche mit Lesern und E&D-Spielern geführt. Cool. ^_^ Ebenfalls toll ist, dass wir auch schon Live-„Reaction“-Kommentare im Facebook-Chat bekommen! (Das eBook ist schon erhältlich, das Print wird diese Woche ausgeliefert.)

Apocalastico

Apocalástico – von Mia Steingräber

Wir sind sehr gespannt, wie unser zweiter Steampunk-Roman bei euch ankommt. Er ist übrigens unabhängig von der ersten „Puppe“ lesbar und entdeckt einen bisher blinden Fleck der Weltkarte. ;) Eine ganz dezente Andeutung darauf könnt ihr hier  mit Hannah Möllmanns neuer Karte entdecken!

Außerdem gibt es von Testleserin Mia Steingräber schon seit geraumer Zeit phantastische Fanart zu „Die verlorene Puppe“ – die Protagonisten Ferenc und Yue, Akrobaten am Trapez und auf dem Seil. Diesmal spielt ein nicht unwesentlicher Teil der Handlung unter Artisten – der fliegende Zirkus „Apocalástico“ gerät in Spanien in die Gewalt von Entführern. Doch an Bord des Zirkusluftschiffs schlummern Geheimnisse, und nicht jeder Akrobat ist, was er zu sein scheint …

Weiter nördlich in der Welt von Eis&Dampf begibt sich hingegen ein friesisches Luftschiff unter der Führung von Kapitänin Haukesdottir auf eine Reise ins Nirgendwo …

Und falls ihr eure Erinnerung an die erste „Puppe“ auffrischen möchtet: Uns wurde ein weiteres Bild zugestellt, vermutlich von Naðan von Erlenhofen persönlich. Die Luftschlacht um Helgoland. Große Klasse, vielen Dank an beide Künstler! :D

nathurn-stak

Nathurn Stak

Eis&Dampf gewinnt „Goldenen Stephan“

goldener stephan eis dampfAls wir uns entschlossen haben, mit Eis&Dampf einen Rollenspielband zur „zerbrochenen Puppe“ und zur Kurzgeschichtensammlung „Eis und Dampf“ herauszubringen, war uns nicht so ganz klar, ob sich dafür irgendjemand außer unseren emsigen und leidenschaftlichen Mitschreibern und -zeichnern begeistern würde.

Phantastischerweise hat der Band den kleinen Rollenspielpreis „Goldener Stephan“ gewonnen, ein Publikumspreis, bei dem auf nerds-gegen-stephan.de abgestimmt werden konnte. Die Kategorie lautet „Bester Quellenband 2015“ und wir freuen uns, dass von 304 Teilnehmern knapp 65 % der Ansicht waren, dass Eis&Dampf den Preis verdient! Hey, heißen Dank!

Noch mehr Begeisterung

Außerdem hat der Würfelheld seine Top3 des Jahres 2015 gekürt – und überraschenderweise landet „Eis&Dampf“ da sogar in der Kategorie „Bestes Rollenspiel 2015“ auf dem ersten Platz!

Wir sind … total geflasht! Vielen, vielen Dank!

Mike Krzywik-Groß hat seine Begeisterung ebenfalls auf seinem Blog kundgetan – ich teile das hiermit einfach mal und schließe mich an. :D

Frohes Neues wünscht das Team von Eis&Dampf!

Punk ohne Revolution? Oder Was hat der Punk im Steampunk verloren?

Ein Blogartikel sagt mehr als 140 Zeichen, und da die Diskussion über die Frage „Gibt es überhaupt einen Punk im Steampunk?“ die Möglichkeiten von Twitter sprengte, wurde ich eingeladen, diesen kleinen Artikel hier zu verfassen. Danke an Infernal Teddy! 😉

Steampunk vs. Cyberpunk

Dem Steampunk als Begriff wird häufig vorgeworfen, dass er sich aus dem Begriff Cyberpunk entwickelt hat – was tatsächlich korrekt ist, aber beschränkt sich das „Punk“ in Steampunk wirklich nur darauf, dass das Wort halt schon im Ursprungswort drin war und man dann halt nicht anders konnte, als es beizubehalten?
Cyberpunk ist Science-fiction ohne Raumschiffe; das düstere Setting einer Blade-Runner-Zukunft, in der der Mensch mit der Maschine verschmilzt und das soziale Elend zwischen dem Chrom durchschimmert.
fs_steamDie für mich treffendste Bezeichnung für Steampunk ist Retro-Science-fiction – aber Steampunk ist sehr stark Auslegungssache (eine weitere Definition: „To say ‚That’s not Steampunk‘ is not Steampunk.“), und daher treffen die Aussagen in diesem Artikel auf mich zu und nicht notgedrungen auf jeden anderen Steampunk, den ihr in diesem Leben treffen werdet.
Also, zurück zur Retro-Science-fiction: Steampunk ist eine Zukunft, die nicht eingetroffen ist, ein alternatives Szenario, angereichert manchmal mit Elementen aus der Fantasy und manchmal mit Elementen aus den Zukunftsvisionen beispielsweise eines Jules Verne, einer Mary Shelley oder eines Nikola Tesla. Es ist ebenso ein „Was-wäre-wenn“ wie auch der Cyberpunk oder jede andere Spielart der Science-fiction.
Nun steht also der Steampunk neben dem Cyberpunk in der SF-Ecke – aber das rechtfertigt noch nicht den Punk darin. Oder?
Science-fiction, im Gegensatz zur „gemeinen Fantasy“, steht im Ruf, gesellschaftskritische Fragen aufzuwerfen. Gerade in naher Zukunft spielende Romane, Filme oder Rollenspielsettings denken unsere heutigen Verhältnisse (beziehungsweise die Verhältnisse der Zeit, der sie entstammen) weiter und zeichnen oder überzeichnen bestehende und drohende Konflikte.
Die Renraku-Arcology in Shadowrun und der Mega-Konzern der Tyrell-Corporation in Blade Runner sind neben ihrer rein optischen Ähnlichkeit Beispiele dafür, dass wir schon seit Jahrzehnten die Übermacht internationaler Konzerne fürchten (und doch der Tatsache ohnmächtig gegenüberstehen, dass sich die Spirale in diese Richtung weiterdreht). Die Punks dieser Settings (wenn auch Shadowrun kein lupenreiner Cyberpunk ist, nur die populärste Spielart) sind die Shadowrunner, die die an eine Nation gemahnenden Sicherheitsmaßnahmen des Konzerns überwinden, um an Informationen zu kommen, oder der Blade Runner, der hinschmeißt, um mit seinem geliebten Skin-Job die Stadt zu verlassen.
Die Cyberpunks entsagen sich dem Getriebe einer zukünftigen Zivilisation, rebellieren gegen Machenschaften, in denen Menschen wie Maschinen behandelt werden, oder in denen gar Maschinen die menschlicheren Menschen werden.

Wo finden wir so etwas im Steampunk – oder finden wir es überhaupt?

Ist der Steampunk vielleicht doch nur etwas für Bronze-Nostalgiker, für Anhänger einer romantischeren Welt? Ist Steampunk nicht vor allen Dingen Ästhetik: die schöne Maschine, bei der der Werdegang der industriellen Revolution hin zu unserer heutigen Zeit ignoriert werden kann?
Ihr habt es schon gelesen, das Wort „Revolution“ – kann es einen Punk ohne Revolution geben, so die Eingangsfrage, und hier sind wir bei einer Revolution angekommen. Der industriellen nämlich – aber die geht nicht von Punks aus, werdet ihr sagen, die geht von … ja, von wem? Von den ersten großen Magnaten und Industriebossen, von den ersten großen Konzernen aus. Auf dem Rücken der natürlichen Ressourcen, der Umwelt und vor allen Dingen der Arbeiter baute sich in den von Mark Twain „vergoldeten Zeit (gilded age)“ genannten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine lupenreine und menschenverachtende Zweiklassengesellschaft auf. Arbeiter – Männer, Frauen und Kinder – wurden ohne Rücksicht auf Verluste geschunden, um in riesigen Schritten eben jene Zivilisation voranzutreiben, in der wir heute leben.
Wie wenig die einzelnen Leben von Menschen galten, wird nicht nur in der industriellen Revolution deutlich, sondern auch, wenn wir uns vor Augen führen, wie nah sich diese Zeit am Kolonialismus und Sklavenhandel befand, an Territorialkriegen und schlussendlich an den Schwellen zu zwei Weltkriegen, zu einer Kriegsführung mit Giftgas, zu Bombardierungen von Zivilisten und dem Holocaust.
Also, eine romantische Zeit, in die sich der Steampunk einbettet?
Auch, sicherlich. Es ist auch die Zeit, in der die Welt noch nicht vollständig entdeckt ist, in der Schliemann Troja fand und Tutanchamuns Grab geöffnet wurde. In der Tesla und Edison ihren Krieg der Ströme führten, in der Jack London den Yukon River hinabfuhr und Marconi die ersten Radiosignale über den Atlantik sandte. In der Maschinen noch Kunst waren und man Geduld und Arbeit darauf verwandte, die Architektur mit den Schnörkeln des Jugendstils oder den Formen des Kubismus zu verzieren. Eine Zeit der Widersprüche also, in der das soziale Elend zwischen dem Messing durchschimmert.
Wenn also der flüchtige Vielleicht-Replikant der Punk eines Cyberpunk-Settings ist, wer ist dann der Punk des Steampunk-Settings?
Der Gewerkschaftler, der gegen die Kinderarbeit kämpft. Die Suffragette, die für Frauenrechte eintritt. Das Monster des Dr. Frankensteins, das sich selbst nach Menschlichkeit sehnt.
Eines der ersten Dinge, die ich zum Thema „Was soll eigentlich dieses Steampunk sein?“ las, war der Wahlspruch „Love the Machine, hate the Factory“. Demzufolge möchte ich auch noch kurz auf das eingehen, warum auch Steampunk als heutige „Peergroup“ das Label „Punk“ verdient hat.
Was soll das, einen Laptop auf alt zu trimmen? Warum Zylinder mit Goggles anziehen? Warum Bartitsu, die viktorianische Selbstverteidigung, wieder hervorkramen? Ist das alles nicht irgendwie so eine Art Hipster-Hobby?
Oder hat es vielleicht doch eine Aussage? Heißt das nicht: Wir lieben Technik, wir lieben „die Maschine“, aber bitte nicht für jeden dasselbe, bitte nicht diese Massenware, auf denen die Fingerabdrücke von Kinderarbeit klebt? Ist der „heutige“ Steampunk nicht auch Ausdruck eines Nicht-Einverstanden-Seins mit internationalen Konzernen, mit dem Hässlichen im Hübschen, mit dem Nicht-Beeinflussbaren innerhalb des Wählbaren?
Liebe die Maschine, liebe den Erfindungsgeist dahinter – nicht nur den des 19. Jahrhunderts, auch den Erfindungsgeist der Crowd, der OpenSource – aber hasse den Konzern. Das ist der Punk im Steampunk.
Und deshalb: Richtig, es gibt keinen Punk ohne Revolution. Aber die Revolution ist beim Steampunk inklusive.

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